Gelesen: „What’s App, Mama?“ von Robert Campe

kindle-foto: What's App, Mama?Vor einigen Tagen habe ich mir die Zeit in der S-Bahn mit der Lektüre dieses Buches vertrieben.

„What’s App, Mama?“ von Robert Campe

Ich war neugierig darauf, zu lesen, was ein 16-Jähriger zum Thema digitale Medien bei Jugendlichen meint. Denn genau das ist Robert Campe. Ein 16-jähriger Schüler, der uns Erwachsene darüber aufklären will, was seine Generation denn nun so toll an Sozialen Netzwerken findet, und warum sie 24/7 online sein „müssen“. Und er möchte uns beruhigen.

Eins vorweg: so ganz gelingt ihm das nicht. Das Beruhigen meine ich. Denn eigentlich bestätigt er genau das, was uns an dem engen Verhältnis Jugendlicher und ihrer Smartphones stört.

Was steht jetzt denn drin in dem Buch?

Aber von vorn: Er beginnt mit einem kleinen Test, in dem er den Leser schon einmal auf die Probe stellt. Wie weit steht es um das Wissen über Soziale Netzwerke, die beliebtesten Apps, …

Dann klärt er uns darüber auf, dass der Besitz eines Desktop-PC’s, eines Tablets und eines Smartphones essenziell ist, für einen Jugendlichen seines Alters. Und natürlich von allem die aktuellsten Modelle. Ja ne, ist klar! Begründet wird das damit, dass man ja schließlich dazugehören muss. Dass man kein Außenseiter sein möchte. Das ist nichts Neues für uns Eltern. Das bestätigt nur, dass Teenies in dem Alter tatsächlich so oberflächlich sind, wie wir es ihnen immer unterstellen. Das Schlimme ist ja, dass wir trotzdem nachgeben, denn schließlich will man ja nicht, dass das eigene Kind zum Außenseiter wird. Dumm nur, wenn man es sich nicht leisten kann, das Kind im regelmäßigen Turnus, den die Hersteller beliebter Smartphones vorgeben, mit neuen Modellen auszustatten. Robert Campe scheint da sehr privilegiert zu sein. Er besitzt alles, was das Herz eines Jungen seines Alters begehrt. Ich weiß nicht, ob das sehr repräsentativ ist. Und es lässt mich stirnrunzelnd dasitzen. Wie selbstverständlich fordert er die gewünschten Geräte bei seinen Eltern ein, und erhält diese scheinbar auch jedes Mal ohne große Probleme. Auch wenn er mal bis Weihnachten warten muss, aber Geschenke im Wert von 600,00 €? Jetzt sind wir ein Haushalt, der auch recht gut ausgestattet ist, aber das stimmte mich nun doch etwas nachdenklich. Diese Selbstverständlichkeit ließ mich etwas aufstoßen. Ich meine, ich würde auch gerne ein flotteres Auto fahren. Ich kann aber zu niemandem hingehen und sagen: „Hey, ich will dazu gehören und kein Außenseiter sein. Kauf‘ mir einen SUV!“. So geht das nicht!

Ansonsten recht viel Geblubbere darüber, wie altbacken die Erwachsenen doch sind. Nur weil sie nicht jeden Trend mitmachen. Nun, wir haben gelernt zu erkennen, dass man nicht jeden Trend mitmachen muss, der womöglich eh nicht länger als 2 Jahre vorhält. Trends kann man aussitzen.

Nicht wie erwartet

Ich hatte mir von dem Buch irgendwie mehr erhofft. Ich dachte mir, dass Robert Campe mir vielleicht sagt, was er durch diese ganzen technischen Möglichkeiten, die die Jugend heute hat, gelernt hat. Wie er digitale Medien VERNÜNFTIG in seinen Alltag integriert. Dass er Ideen hat und Visionen, wie sich seine Zukunft einmal gestalten kann. Aber stattdessen bekomme ich nur die einzelnen sozialen Netzwerke erklärt. Was Mädels und Jungs da so posten und was genau dort kommuniziert wird.

Spaß gemacht hat es trotzdem, es zu lesen. Der Schreibstil ist sehr erfrischend und stellenweise wird einem als Elternteil der Spiegel vorgehalten. Vielleicht ist es tatsächlich gut für Eltern, die wirklich keinerlei Ahnung davon haben, was ihre Kinder denn da treiben. Wenn man sich aber eh schon mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hat, dann ist es eher nichts.

6 Kommentare

  1. Ich hatte mir das Buch vor einiger Zeit im Buchladen angeschaut und habe es da schon wieder zur Seite gelegt – ich bin zwar nicht mehr ganz so jung, aber so verknöchert, dass man mir Facebook & Co. erklären muss, bin ich nun auch nicht. 🙂

    Auch ich hatte mir erhofft, dass er einen Grund anführt, warum es lebenswichtig ist, dass Jugendliche wöchentlich mit ihrem Smartphone mehr Zeit verbringen als ein Erwachsener auf der Arbeit.

    Vor 2 Tagen habe ich, gemeinsam mit meinem Sohn (20), im Internet nach Apps gestöbert, die man als Student *unbedingt* braucht. Wir haben auch eine Seite gefunden – kurioserweise stand auf Platz 1 der „must-have-Apps“ eine App, die das Smartphone still schaltet für den Zeitraum in dem man lernt. Ganz ehrlich … warum werfe ich das Smartphone nicht so lange in eine Schublade und nehme es dann wieder raus, wenn ich fertig bin mit lernen? Muss ich eine App benutzen um meinem Smartphone den Mund zu verbieten? Für mich ist das eine ziemlich kranke Einstellung.

    LG Babsi

    1. Ha ha! Vorallem ist die App auch insofern sinnlos, da man bei einem Smartphone schon standardmäßig Ruhezeiten einstellen kann.
      Nein, ich fand’s schade. Hätte mir tatsächlich erst eine Leseprobe herunterladen sollen.

      LG, Tina

      1. Ich fand es bezeichnend, dass es eine App gibt, die dem Smartphone eine Auszeit verpasst – der gesunde Menschenverstand würde da auch aushelfen. Einfach das Teil aus- und später wieder einschalten oder eben in einem anderen Zimmer deponieren. Aber wenn es keine App dafür gibt, kommen sie wahrscheinlich nicht auf die Idee.

        Mir fällt in letzter Zeit auf, dass es sehr viele wissenschaftliche Publikationen gibt, die sich mit den Nachteilen von Smartphones beschäftigen – keine Konzentrationsfähigkeit, jederzeit erreichbar und auf Abruf, das Gefühl etwas zu verpassen, wenn man nicht ständig in Facebook & Co. die Lage checkt, deswegen Handy im Bett und als Folge dessen schlechter Schlaf ….. leider merken Jugendliche nicht, was sie sich damit antun und – ich kann es hier zu Hause live miterleben – wenn man etwas sagt, was eigentlich nur gut gemeint ist, ist man der Feind Nr. 1.

        Das ist leider kein Trend, den man aussitzen kann.
        Ich befürchte, dass das noch viel schlimmer wird. 🙁

        LG Babsi

      2. Ja leider. So war es ja schon immer. Als Eltern meint man es nur gut, aber da kommt man nicht durch. Es ist nicht einfach da den richtigen Grad zu finden.
        Mir machen dann so Jugendliche wie meine Schwester (17) Hoffnung. Sie hält nicht viel von Sozialen Netzwerken. Und ihr Freundeskreis scheint das ähnlich zu sehen … und sie gehören jetzt – meiner Einschätzung nach – nicht zu den Uncoolen in der Klasse.

        Mit der ständigen Erreichbarkeit habe ich auch ein Problem. Denn das ist gerade in der Berufswelt ein Thema. Freizeit heißt ja nicht nur, dass man daheim ist, oder irgendwelchen Hobbies nachgeht … es heißt auch, dass man sich von der Arbeit erholen soll. Aber geht das, wenn man dauernd die Emails checkt?

        Ob es aber schlimmer wird, weiß ich nicht. Ich habe das Gefühl, dass es immer mehr ins Bewußtsein der Menschen sickert, dass sie sich auch wirkliche Auszeiten nehmen müssen.

        LG, Tina

      3. Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht. Wenn ich sehe, wie früh heute schon Kleinkinder mit irgendwelchen Tablets oder Smartphones „ruhig gestellt“ werden, dann denke ich, dass die zur Zeit jüngste Generation gar nicht mehr ohne diese Dauerberieselung= Reizüberflutung leben kann.

        Ich möchte gar nicht ständig erreichbar sein. Ein Bekannter von mir hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft, dass er immer und überall erreichbar ist. Er bekommt eine SMS wenn jemand zu Hause angerufen hat (und er logischerweise nicht zu Hause ist), er hat Rufweiterleitungen eingerichtet etc. *wuääääh* Wenn ich nicht zu Hause bin, dann bin ich nicht zu Hause. Und wenn dann jemand auf dem Smartphone anruft, dann bin ich durchaus so frech und nehme einen Anruf auch mal nicht an – es sei denn, es handelt sich um Familie. Alle anderen können eine Nachricht auf dem AB hinterlassen.

        Das mit den Auszeiten ist gut möglich – aber meist doch erst dann, wenn man feststellt, dass man sich damit nix gutes tut oder gar schon Ausfallerscheinungen (Schlafprobleme bspws.) hat.

        Nun denn – wir werden die Welt nicht retten.
        Ich plädiere hier zu Hause auf jeden Fall abends dafür, dass das Handy nicht im Schlafzimmer „übernachtet“ und manchmal klappt es, dass es in der Küche schlafen darf 🙂 Manchmal klappt es aber auch nicht. Ein 20jähriger lässt sich da auch nicht mehr allzu viel sagen.

        LG Babsi

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