Warum diese Verteufelung der Digitalen Medien?

Seit letzter Woche bietzelt es mir schon in den Fingern, diesen Beitrag nieder zu schreiben. Heute habe ich es endlich geschafft!

Zum Einen musste ich mal wieder lesen, wie schlecht Deutschland und Europa doch beim Thema Digitalisierung im Internationalen Vergleich dastehen. Es ist schon bitter! Aber wundert es mich? In Deutschland wird immer noch von „Neuland“ und „Neuen Medien“ gesprochen, was in anderen Nationen schon längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Und dann hatte ich noch ein sehr interessantes Telefonat mit Stefanie Stalf, der Entwicklerin von Lazuli. Und ich muss sagen, dass ich etwas nachdenklich wieder aufgelegt habe. Die Frage, die wir uns gestellt haben: Warum werden die Digitalen Medien von Eltern so verteufelt? Warum sieht man nicht, dass unsere Kinder in Zukunft allesamt damit zu tun haben werden? Egal ob sie sich dazu entscheiden einmal Ingenieur, Arzt, Friseur, Kindergärtner oder irgendwas Kaufmännisches zu werden. Viele sagen dann: „Sie kommen noch früh genug damit in Berührung!“ oder „Sie sollen erst mal Kind sein dürfen!“

Aber was bedeutet Kindsein heute?

Auch die Kindheit hat sich immer wieder verändert. Mussten früher die Kinder schon sehr früh daheim mit anpacken und ihren Beitrag zum Einkommen oder zur Versorgung der Familie leisten, haben sie ja inzwischen viel weniger Pflichten sondern viel mehr Freiheiten. Ja, sie „müssen“ mit 6-7 Jahren in die Schule. Das ist für eine kleine Gruppe Eltern ja inzwischen schon ein ganz grausamer Zwang, den der Staat den Kindern da auferlegt um sie in die Wirtschaftsmaschinerie einzuführen. Aber zurück zu den Freiheiten: Da sehen Eltern meistens in ihrer romantisierten Vorstellung Kinder, die mit Stöcken spielend im Wald/Park/Garten herumlaufen. Sie bauen Staudämme im Bach, und Baumhäuser. Beobachten Käfer. Malen kunterbunte Bilder, kneten und werden sonstwie kreativ, verzieren die Wände meines Wohnzimmers mit Fingerfarbe … naja … das dann lieber doch nicht. Ich bin keine Romantikerin.

Aber auch hier gibt es Junk-Food und Slow-Food.

Kinder haben einen ganz natürlichen Entdecker- und Forscherdrang. Sie sind sehr neugierig. Und ja, sie wollen tatsächlich auch immer noch draußen alles entdecken. Aber eben auch drinnen. Und super interessant ist, was die Eltern da machen. Wenn die Eltern häufig am Smartphone hängen, dann will der Nachwuchs auch wissen, was das denn so ist, und was man damit anstellen kann. Aber viele Eltern ziehen hier einen klaren Strich: Digitale Medien gehören nicht in Kinderhände! Das ist gefährlich! Macht dick, aggressiv und dumm! Aber auch hier gibt es Junk-Food und Slow-Food. Ich kann mich gesund ernähren und bleibe fit und zufrieden. Oder ich achte überhaupt nicht auf meine Ernährung und konsumiere jeden Mist, der da auf den Markt geworfen wird.

Smartphones und Tablets können durchaus einen Mehrwert für unsere Kinder bedeuten. Wir müssen nur ein Auge darauf haben, dass das, was sie damit tun, auch nicht irgendein Schmarren ist. Ich kann das echt nur immer wieder und wieder herunterleiern. Ganz ehrlich, da sind bei den zumeist heruntergeladenen Apps „Mein Baby-Einhorn“ oder „Toca Bocca Hair Saloon“ dabei, das immerhin stolze 4,49 € kostet (Ich verlinke das gar nicht erst.). Warum?, frage ich mich da immer händeringend. Einerseits wird geschimpft, dass unsere Kinder verblöden, wenn sie mit dem Handy spielen. Unterstützend dazu wird ihnen sowas heruntergeladen? Es gibt doch wirklich eine ganze Reihe von Apps die wirklich toll sind. Die neben dem Spaß auch noch sinnvolles Wissen vermitteln oder mit nett illustrierten Knobeleien die Hirnzellen zur Arbeit anregen. Spielerisch und in kindgerechter Aufmachung. Ja, das kostet meist ein paar Euro. Aber dann gibt es eben mal ein paar Süssigkeiten weniger oder keine Lego-Sammelfigur. Und bevor ich 5 € für oben genannten Müll ausgebe …

Der Hund liegt hier – wie in so vielen Erziehungsfragen – im sozialen Hintergrund der Eltern begraben. Die Eltern, die ihre Kinder von den Digitalen Medien gerne fernhalten würden, sind nämlich sehr häufig die mit akademischen Hintergrund. Sie sind die, die sich Gedanken zur Erziehung machen. Vielleicht manchmal auch zu viele. Sie sind die, die sich am ehesten von einem Hirnforscher mit – vollkommen für seine Sache verdrehten – Studien auf seine Seite ziehen lassen. Bei uns predigt ja sogar die Konrektorin seine Ansichten. Ich finde das fatal. Manchmal habe ich den Eindruck, wir entwickeln uns – nicht nur in dem Punkt – wieder zurück.

Ich hoffe sehr, dass hier in naher Zukunft eine Trendwende einkehrt. Für die App-Entwickler, die wirklich viel Zeit, Geld und Herzblut in ihre Ideen investieren und nicht nur auf das schnelle Geld aus sind, wie so Viele der anderen, die nur Schund anbieten. Aber auch weil ich denke, dass diese Medien in der Erziehung wirklich ihre Daseinsberechtigung haben. Für die Veranschaulichung von irgendwelchen Vorgängen, sind sie doch prädestiniert! Stellt euch vor, was mit VR-Brillen möglich wäre. Ich weiß, dass meine Leser sowieso eher meiner Meinung sind. Aber helft doch vielleicht mit, das ab und zu mal anzusprechen, wenn ihr wieder so einen Prof.-Dr.-Manfred-Spitzer-Anhänger trefft. Oder wenn ihr merkt, dass sich jemand unsicher ist. Denn häufig ist es für die Eltern leichter, etwas von vorneherein einfach zu verbieten, als sich genauer mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und das muss man. Ja, das ist für Viele nicht einfach. Aber Kindererziehung ist nun einmal kein Pappenstiel.

Niemand hat uns gesagt, dass es leicht wäre!

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