Was ist Medienkompetenz eigentlich?

Überall wo man etwas über Digitale Medien liest, taucht auch immer wieder das Wort „Medienkompetenz“ auf. Auch ich verwende es sehr häufig. Es ist ein Begriff, um den man schon gar nicht mehr herumkommt, wenn man nicht gerade mitten im Wald in einem Funkloch ohne Stromanbindung lebt. Aber was ist damit eigentlich gemeint?

Seit den 90er Jahren hat der Begriff an Bedeutung zugenommen. Inzwischen hat die Medienkompetenz sich zu einer Schlüsselqualifikation entwickelt. Wer über Medienkompetenz verfügt, findet sich in unserer Medienwelt zurecht, kann sich aktiv einbringen und kann somit am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben. Zu den Medien zählen Bücher und Zeitungen, Radio und Fernsehen, aber natürlich auch Computer, Tablet und Smartphone.

Medienkompetenz in Bezug auf Kinder

Da heutzutage auch Kinder schon früh mit den neuen Medien in Berührung kommen, ist das Thema durchaus für Eltern wichtig. Denn es ist nicht damit getan, Zeitlimits festzulegen. Kinder müssen Regeln lernen, um sich sicher im Internet zu bewegen, um respektvoll zu kommunizieren, um sich vor Gefahren zu schützen. Sie müssen die Zusammenhänge verstehen sowie entsprechende Möglichkeiten haben, um sich aktiv einbringen zu können. Sie müssen zwischen Werbung und Inhalt unterscheiden können und Abzocke durchschauen, um auf diese Tricks nicht hereinzufallen. Das ist nicht ohne! Seit den 90er Jahren hat sich freilich viel getan. Damals hätte noch kein Kind wissen müssen, was ein soziales Netzwerk ist und wie man sich verhält, um darin sicher zu kommunizieren.

Medienkompetenz nach Dieter Baacke

Aber was genau bedeutet es nun „medienkompetent“ zu sein? Der Begriff der Medienkompetenz steht (nach Dieter Baacke) auf vier Säulen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.

Medienkompetenz nach Baacke

 

Mediennutzung

Die offensichtlichste Kompetenz in Bezug auf Digitale Medien ist zuerst einmal die Fähigkeit, die dazu nötigen technischen Geräte nutzen zu können. Kinder haben hier meist weniger Probleme als die Generation unserer Eltern zum Beispiel, die erst spät mit Computern in Berührung kamen. Als Digital Natives wachsen unsere Kinder bereits mit all den dazu nötigen Geräten auf und lernen ganz intuitiv damit umzugehen. Da schlackert man als Elternteil schon manchmal mit den Ohren, wenn man sieht, wie die 4-jährige Tochter sich mit gezielten Wischbewegungen durch’s Smartphone navigiert. Aber das allein macht nicht die Medienkompetenz aus. Es ist tatsächlich ein eher kleiner Bestandteil. Aber zu wissen, wie ich Fotos mit dem Smartphone mache und speichere oder in Sozialen Netzwerken teile, heißt noch lange nicht, dass ich auch verantwortungsvoll damit umgehen kann.

Beispiele zum Stichwort „Mediennutzung“:

  • Sich an digitalen Kommunikationsformen beteiligen können: chatten oder Kommentare verfassen
  • Wie kommuniziere ich mit anderen und wie verhalte ich mich fair in interaktiven Angeboten? Was mache ich, wenn ich gemobbt werde?
  • Kinder müssen lernen, dass das Internet nicht sicher ist: Welche Daten von mir darf ich preis geben? Was mache ich, wenn ich auf problematische Seiten gelange?

Mediengestaltung

Weiterführend gehört auch dazu, dass man die technischen Hilfsmittel schon dementsprechend gut beherrscht, dass man Medien gestalten, innovativ verändern, entwickeln oder auch kreativ ästhetisch einsetzen kann. Das soll nun nicht heißen, dass Kinder sich schon ihre eigene Homepage bauen sollen. Aber im kleinen Rahmen können Kinder Fotos ihrer Lego-Kreationen hochladen und bewerten lassen. Hier gehört ebenfalls der journalistische Aspekt dazu. Also die Veröffentlichung eigener Inhalte.

Die meisten dürften jedoch Anwender bleiben. Also Konsumenten.

Beispiele zum Stichwort „Mediengestaltung“:

  • Selbst kreativ im Web sein: einen Beitrag verfassen und online stellen.
  • Wie und wo kann ich kreativ sein im Netz? Womit bearbeite ich ein Foto und wie und wo kann und darf ich es online stellen? Wie fällt das Feedback zu meinen Inhalten aus? Wie wird meine Homepage aussehen?

Medienkunde

Das Wissen über die Medien und Mediensysteme.
Die Medienkunde hat zwei Unterdimensionen: die informative Medienkunde meint das klassische Wissen über die Medien; die  instrumentell-qualifikatorische Medienkunde meint die Fähigkeit, neue Medien bedienen zu können. Das ist – meiner Meinung nach – auch das, was Schulen leisten können und sollen.

Beispiele zum Stichwort „Medienkunde“:

  • Das Internet kennen und nutzen können: mit einem Browser umgehen.
  • Sich im Web orientieren und bewegen können: verstehen, was eine Hypertextstruktur ist und wie man darin navigiert.
  • Wie finde ich die Informationen, die ich suche?
  • Was ist das Internet? Wie sehen die technischen Zusammenhänge aus?

Medienkritik

Der kritische Umgang mit Medien und Medieninhalten. Gerade dieser letzte Punkt ist der, bei dem ich die Eltern massiv in der Pflicht sehe. Denn das können Schulen kaum leisten. So wie die Eltern ihren Kindern Höflichkeit und Respekt vor anderen Menschen beibringen (sollten), liegt es bei ihnen auch, ihren Nachwuchs zu verantwortungsbewusstem Handeln im Internet anzuhalten. Die Medienkritik hat drei Unterdimensionen:

  1. Analytische Medienkritik: problematische gesellschaftliche Prozesse, wie z.B. Filterblase oder die Datenschutzproblematik, sollen erfasst werden können
  2. Reflexive Medienkritik: das analytische Wissen soll auf sich bezogen und angewandt werden können
  3. Ethische Medienkritik: soziale Konsequenzen der Medienentwicklung und des eigenen Handelns sollen berücksichtigt werden

Beispiele zum Stichwort „Medienkritik“:

  • Stimmt das alles, was im Internet steht? Was passiert mit meinen Daten? Was tue ich bzw. an wen wende ich mich, wenn ich merkwürdige Dinge im Netz finde oder in Kostenfallen gerate?
  • Eine kritische Distanz halten: kommerzielle Interessen erkennen können.
  • Verantwortung übernehmen können und eigenes Handeln reflektieren: sich für Beleidigungen entschuldigen oder gegen Cybermobbing einstehen.

Der Auftrag an uns Eltern

Fast jeder nutzt inzwischen Digitale Medien. Ob mit dem PC, Tablet oder Smartphone … ja auch der smarte TV gehört dazu. Kinder wie Erwachsene konsumieren mit diesen Geräten. Wir Erwachsenen haben hier den Vorteil der Lebenserfahrung. Unsere Kinder jedoch noch nicht. Und bevor sie irgendwo hineinschlittern, müssen wir sie anleiten. Ihnen muss bewusst werden, dass Wikipedia zwar eine tolle Plattform ist, dass dort aber jeder seinen Senf veröffentlichen kann. Wir müssen ihnen all diese Dinge vermitteln, damit sie sich sicher im Internet bewegen können. Das ist viel wichtiger, als sie davon fernzuhalten. Das ist unsere Aufgabe als Eltern.

Da Kinder natürlich noch keine Hypertextstrukturen kennen müssen, fasse ich hier nochmal kurz zusammen, worauf es bei Kindern ankommt.

Zur Medienkompetenz von Kindern gehört, dass sie

  • Inhalte aus Fernsehen, Internet & Co. einordnen und verarbeiten können.
  • für sich interessante und sinnvolle Inhalte aussuchen und nicht alles ungefiltert konsumieren.
  • Medien nicht nur für den Konsum nutzen, sondern auch, um sich mit anderen auszutauschen und selbst kreativ zu werden.
  • redaktionelle, mehrwertige Inhalte von Werbung unterscheiden und Werbebotschaften auch als solche beurteilen können.
  • wissen, wo Gefahren lauern und wie sie mit diesen umgehen können.

Interessante Seiten zum Thema

SCHAU HIN – was dein Kind in den Medien macht!

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

kindergesundheit-info.de

Gutes Aufwachsen mit Medien

fragFINN – die Suchmaschine für Kinder

Blinde Kuh – Kinderseiten, Suchmaschine für Kinder

Seitenstark für Erwachsene

Ein Netz für Kinder

Mediennutzungsvertrag

ebook-medienkompetenz

9 Kommentare

  1. Lieben Dank für die detailreichen, wissenwerten Infos!!!
    Ich selbst spreche und schreibe auch so oft von Medienkompetenz, habe aber lange nicht bedacht, was alles dazugehört. Kein Wunder, dass es das Studienfach „Medienwissenschaften“ gibt – bei dieser Fülle an Teilbereichen.
    Es selbst zu verstehen und zu verinnerlichen finde ich allerdings viel, viel einfacher, als es den eigenen Kindern nahezubringen. Wenn Mama anfängt zu quatschen, verdreht mein Sohn sowieso die Augen (er weiß schließlich schon alles…). Wie Medien manipulieren, kann man aber ganz gut anhand von Bildbearbeitungsprogrammen zeigen.
    LG Anne

    1. Ich muss gestehen, dass ich anfangs auch nicht gewusst habe, wie umfangreich das Thema tatsächlich ist. Der erste Schritt muss da – meiner Meinung nach – auch immer der sein, dass man sich selbst damit auseinandersetzt. Denn nur wenn man es selbst auch verstanden hat, kann man das auch weitergeben. Das Wie? ist da gerade bei Teenagern dann das Problem. Schulmeistern darf man sie ja nicht. Und über die Schulter schauen lassen sie einen meist auch nicht. Das geht mit meinem 6-Jährigen dann doch leichter. Da sitze ich daneben und wir reden viel darüber, was er da sieht. Da bemerkt er inzwischen aus selbst schon, wenn bei einem Youtube-Video nur Schmarren erzählt wird, dann drückt er das auch weg. Bzw. ich muss ihm dann was anderes suchen, weil er auch schon bemerkt, wenn er Schmarren anschaut, dann meist auch nur der gleiche Quark in der Empfehlungsleiste ist.
      LG, Tina

  2. Obwohl man jeden Tag damit zu tun hat, selber so die Gedanken darüber gemacht habe ich mich jetzt auch noch nie. Ich finde deinen Beitrag wahrhaftig interessant und sehr aufklärend.

    Alles liebe

    1. Danke! Es war mir ein Bedürfnis das alles mal zusammenzuschreiben, weil leider viele Eltern tatsächlich meinen, dass es mit einem Zeitlimit getan ist. Aber das ist es eben leider nicht.
      LG, Tina

  3. Ganz toller Artikel mit nem ganz wichtigen Thema, endlich habe ich deutsche Referenzen zu dem Thema.

    Das Hauptproblem sehe ich in der Elterngeneration, die selber unausreichend Wissen und Ahnung hat. Das sieht man schon daran, wie unbedacht geteilt, aber auch hochgeladen wird. Da wird weder darauf geachtet, ob das, was man teilt, von seriösen Quellen ist und stimmt, noch ob Urheberrechte verletzt werden. Gerade in dem Bereich sind auch viele Erwachsene einfach unausreichend aufgeklärt, oder generell wenn es darum geht, dass das Internet weder Selbstbedienungsladen ist noch rechtsfreier Raum.
    Und Leute, die selber unausreichend aufgeklärt und firm in dem Thema sind, können entsprechend weniger an die Kinder weitergeben…

    Als Blogger oder so ist man ja meist gut drin im ganzen Rechtskram, der „normale“ Internetuser meistens eben nicht. Ich bin ja der Meinung, dass das in der Schule schon recht früh und dann progressiv mehr und mehr in die Tiefe gehend, Programm sein sollte.

    1. Ganz genau so sehe ich das eben auch! Ich bekomme es ja immer wieder mit, dass Eltern meinen, wenn sie die Screen-Zeit begrenzen, oder ihre Kinder komplett von Tablet & Co. fernhalten, sie das Richtige tun. Was ich eben nicht so sehe. Da gibt es dann renommierte Hirnforscher, die empfehlen, Kinder bis zum 14ten Lebensjahr von Computern fernzuhalten. Ja und dann? Mit 15 lassen sie sich extrem gerne was von den Eltern sagen. Oder was bringt es mir, wenn sie in der halben Stunde, die ihnen erlaubt ist, nur Unsinn machen?
      Du hast schon recht. Unsereins hat sich einfach schon viel mit dem Thema auseinandergesetzt. Wir werden das auch ganz anders vermitteln können.
      LG, Tina

      1. Hmmm, manchmal denke ich, dass es gar nicht so sehr ums bloße Vermitteln geht, sondern aus Sicht der Eltern auch darum, überhaupt die Lust dafür zu finden. Schließlich muss man auch Zeit investieren. Jetzt mal am Beispiel meines Youtube-süchtigen Sohns:
        Wir dachten, dass er – wenn er schon so gerne Gleichaltrigen beim Herumblödeln im Netz zuschaut – vielleicht selbst wissen möchte, wie ein Youtube-Video entsteht. Also haben wir ihm eine kleine Kamera geschenkt und gedacht, dass er gleich irgendwas filmt. Tat er aber nicht. Er ignorierte das Teil. Auch unser Angebot, ihm den Videoschnitt zu vermitteln, nahm er mit wenig Begeisterung auf. Insofern sind wir Eltern nun gezwungen, mit ihm zusammen einen kleinen Film zu drehen und diesen zu schneiden. So wenig Interesse seinerseits ist ja schon demotivierend. Hinzu kommt, dass wir dafür ein Wochenende opfern müssen…
        LG Anne

      2. Klar, ist das mit Zeit verbunden. Und wahrscheinlich ist das auch das größere Problem. Man muss als Eltern auch Zeit erübrigen dafür. Ich seh‘ das ein bisserl wie das Radfahren. Lernen müssen sie es. Große Lust hatte ich ehrlich gesagt auch nicht, da in gebückter Haltung dauernd neben meinen Kindern herzulaufen. Und Zeit nehmen musste ich mir dafür natürlich auch. Aber es ist immerhin Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe.

        Man muss auch von Kind zu Kind schauen, wie weit das Interesse reicht. Es muss ja wirklich nicht jeder seinen eigenen Kontent online stellen. Aber sie sollen schon hinterfragen, was sie da sehen.
        Strietzi baut furchtbar gerne Diaramen aus Lego auf. Und auf Youtube schaut er gerne diese kleine Stop-Motion-Filmchen an. Ich hab‘ das schon länger auf dem Schirm, dass ich das mal mit ihm ausprobiere.
        LG, Tina

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