Kinderfotos in Sozialen Netzwerken

DKHW_Facebook_Motiv_SpaghettiViele Eltern nutzen die Sozialen Netzwerke als Fotoalbum. Da wird wirklich alles gepostet, was gerade so passiert. Babys erste Schritte, Kleinkinder beim Töpfchen-Training, die erste, zweite und dritte Zahnlücke, Kind mit Seepferdchen-Abzeichen, und und und … Dabei wird aber häufig vergessen, was das für das Lieblingsmotiv aller Eltern für Folgen haben kann. Mein Mann und ich waren uns damals schnell einig, dass von unseren Kindern keine Fotos ins Internet gestellt werden. Maximal welche, auf denen man sie nicht erkennen kann. Aber auch das nur ganz selten. Nie würde mir einfallen, Fotos meiner Kinder als Profilbild auf sämtlichen Kanälen zu verwenden. Ich bin immer noch ich selbst und definiere mich nicht über meine Kinder. Außerdem empfinde ich es als falsch, das über den Kopf meiner Kinder hinweg zu entscheiden.

Es geht um die eigene Eitelkeit

„Ja, aber du entscheidest doch auch darüber ob sie gestillt oder geimpft werden!“ Ein Argument, dass ich tatsächlich schon desöfteren in dem Zusammenhang gelesen habe. Klar, auch das entscheide ich. Aber hier geht es um grundlegende Bedürfnisse. Ich entscheide, was ich meine, dass es für meine Kinder das Beste ist, weil es das selbst noch nicht kann. Was bringt die öffentliche Zurschaustellung meiner Kinder ihnen denn? Seien wir doch mal ganz ehrlich: Teilen Eltern Fotos von ihren Kindern in den Sozialen Netzwerken, dann wollen sie doch nur dauernd hören, was für niedliche und tolle Kinder sie haben. Natürlich sind Eltern stolz auf ihre Kinder! Das dürfen sie ja auch (meistens zumindest *räusper*). Aber nur wegen ein paar empor gereckter Daumen die Persönlichkeitsrechte der Kinder übergehen …? Hier geht es um die eigene Eitelkeit. Dem Kind bringt das gar nichts. Höchstens später ein paar peinliche Momente, wenn ihre Freunde in irgendeinem altmodischen Sozialen Netzwerk, in dem sich nur noch die Mittfünfziger herumtreiben nach peinlichen Babyfotos ihrer Mitschüler suchen. Wenn sie dann Fotos der leicht übergewichtigen Lea finden, wie sie als 1-Jährige fröhlich und mit roten Bäckchen auf einer Wiener herumkaut. Oder Bilder vom schüchternen Paul, wie er mit Barbie-Puppen spielt. Die Eltern fanden es damals süß oder lustig … Teenager können da ganz was anderes damit anfangen. Und wir wissen alle, wie grausam Kinder sein können. Wir haben das alle selbst schon mitbekommen. Nur dass das heute ganz andere Ausmaße annehmen kann.

Vereine behalten sich vor, Kinderfotos auf Facebook zu posten

Nun gibt es aber auch Situationen, in denen Eltern, die nicht ganz so unbedarft sind, Steine in den Weg gelegt werden. Wenn sie ihr Kind in einem Verein anmelden wollen zum Beispiel. Ich wurde darauf die Tage erst in unserer Tageszeitung darauf aufmerksam. Bei einem Schwimmverein in unserem Landkreis wurde jetzt ein Fall bekannt, dass ein Kind dem Verein nicht beitreten durfte, weil die Mutter keine Einverständniserklärung zur Veröffentlichung von Fotos des Kindes in den lokalen Printmedien aber auch auf Facebook unterschreiben wollte. Die Begründung des Vereins ist, dass es einen enormen Mehraufwand bedeutet, darauf zu achten, dass bestimmte Kinder nicht auf Fotos auftauchen dürfen.

Den meisten Eltern ist der Passus wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Anderen dürfte es egal sein. (Das sind dann die, die ihre Facebook-Freunde eh schon ständig mit Fotos vom Nachwuchs belästigen.) Wieder andere finden es in Ordnung, solange ihr Kind nicht namentlich erwähnt wird. Und dann gibt es die, die ihre Kinder selbst weitestgehend aus der digitalen Welt heraushalten wollen, und denen eine solche Vereinbarung natürlich sauer aufstösst.

Der Vorstand in diesem Fall wirkt uneinsichtig. Obwohl man sich an dessen Stelle vielleicht schon grundsätzlich überlegen sollte, ob es vertretbar ist, Fotos von beinahe nackten Kindern in Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Auch wenn ich jetzt nicht nur an das Böse im Menschen glaube, so finde ich den Gedanken nicht sehr angenehm. Was bleibt mir nun als Mutter? Da dieser Passus tatsächlich in den Beitrittserklärungen vieler Vereine vorkommt, muss ich mir überlegen, ob ich damit leben kann. Oder meine Kinder eben keinem Verein beitreten lassen. Ich kann nachvollziehen, warum die Mutter sich hier geweigert hat. Ich würde das auch nicht wollen. Damit, dass Fotos meiner Kinder mal im Gemeinde-Anzeiger oder im Vereinsblatt abgedruckt werden, habe ich ja kein Problem. Die Auflagen sind gering und der Print häufig auch noch so schlecht, dass man eh nichts erkennt. Aber müssen sie unbedingt auf irgendwelchen öffentlichen Vereinsseiten oder gar Facebook auftauchen? Auch wenn der Verein die Kinder nicht namentlich erwähnt, so gibt es doch genug Vereinsmitglieder, die meine Kinder mit Namen kennen und evtl. widerum Fotos teilen und die Namen dazu schreiben.

In unserer KiTa bekommen sie das ja auch hin. Da gibt es für Eltern sogar mehrere Optionen zur Auswahl. Ob Fotos am Schwarzen Brett ausgehängt werden dürfen. Oder ob die Fotos auf der HP gezeigt werden dürfen.

Lasst die Kinder raus aus den Sozialen Netzwerken!

Und wenn Freunde und Tanten gerne mal ein Foto der Kinder sehen wollen, dann gibt es andere Wege um diese zu teilen. Sind die Sprösslinge dann alt genug, um selbst zu entscheiden, sehe ich die Eltern in der Pflicht, ihrem Nachwuchs dementsprechende Kompetenzen nahe zu bringen. Lea wird es Euch danken, wenn sie später nicht auch noch wegen vermeintlich harmloser Kinderfotos gehänselt oder gar gemobbt wird.

Wie haltet ihr das? Wie ist das bei euren Vereinen geregelt?

Tipps zum Umgang mit Kinderfotos vom Deutschen Kinderhilfswerk

In Teilen erschienen in der E-MEDIA April 2018.

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